Medientipps

Ben Urwand "Der Pakt - Hollywoods Geschäft mit Hitler" Verlag Konrad Theiss 2ß17, 300 Seiten, 30,80 Euro
Hollywood schloss einen Pakt mit Hitler. Die großen Studios erklärten sich 1933 bereit, keine Filme zu produzieren, die das Ansehen der Nationalsozialisten beschädigten oder die Judenverfolgung thematisierten. Der Grund war einfach: In Deutschland ließen sich immer noch die besten Geschäfte machen. Doch Paramount, MGM und Fox gingen weiter: Sie zensierten Filme ohne Druck, entließen bereitwillig jüdische Mitarbeiter oder realisierten unerwünschte Projekte erst gar nicht. Die Gewinne flossen in die Produktion von Goebbels' Wochenschau oder in die deutsche Rüstungsindustrie. Auf der einen Seite die mächtigen Studiobosse, viele davon Juden, auf der anderen Adolf Hitler, der filmbesessene Diktator.

Es ist die dunkle Seite des Golden Age von Hollywood, die Urwand unter Rückgriff auf bisher unbekanntes Archivmaterial beschreibt.

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Franz Steinmassl (Hg.) - Von Nazis, Amerikanern, Russen und den Leuten - Das Mühlviertler Jahr 1945, ISBN: 978-3-902427-97-7, Verlag Steinmassl 2016, 512 Seiten, 29,50 Euro
Das Jahr 1945 bedeutete für das Mühlviertel eine viel größere Herausforderung als für die Landesteile südlich der Donau. Im Mai waren zwar die Nazi geschlagen, und er Krieg war zwar zu Ende, aber noch nicht vorbei. Denn die nachfolgende Sowjetbesatzung bedeutete eine schwere Belastung, vor allem für die Frauen, die wochen- und monatelang in Angst leben mussten.
Das Buch schildert die zahlreichen Facetten dieses Jahres:
> Mühlviertler Chronik Jänner bis Juni 1945;
> Neues von der Mühlviertler „Hasenjagd“;
> Standrecht für Peilsteiner Bürger und Soldaten der Wehrmacht;
> Freistädter Widerstandsgruppe und Sozialistenmord
> Zwangsarbeiter und die Neumarkter Polenmorde;
> Der Vormarsch der Amerikaner durch das Mühlviertel;
> Staff Sergeant Albert J. Kosiek befreit die KZ Mauthausen und Gusen;
> Von Gallneukirchen in die Kriegsgefangenschaft;
> Die erste Zeit des Sowjet>Besatzung
> Die Russen und die Frauen
> Johann Blöchl und die Zivilverwaltung Mühlviertel...

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Österreichs Zeitzeugen
Die Erinnerungen von 90 Zeitzeugen hat der ORF gemeinsam mit dem Mauthausen Komitee in einem Archiv aufbereitet und dauerhaft zugänglich gemacht. Sie erzählen ihre Erinnerungen in 102 Videos in vier Gruppen:
Monarchie - 1. Weltkrieg
Zwischenkriegszeit-Klerikalfaschismus
Nationalsozialsimus - 2. Weltkrieg
Nachkriegszeit bis Staatsvertrag
Zu finden in der ORF-TV-Thek unter "Österreichs Zeitzeugen"

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Spaniens Himmel breitet seine Sterne...
Im Juli 1936 begann mit einer Erhebung faschistischer Generäle gegen die demokratische Republik der Spanische Bürgerkrieg, das Vorspiel zum Zweiten Weltkrieg. In den Internationalen Brigaden kämpften auch 1.400 Freiwillige aus Österreich, darunter viele aus Oberösterreich. Die KPÖ erinnert nun mit eine fundierten Broschüre "Spaniens Himmel breitet seine Sterne …" an diese mutigen oberösterreichischen Antifaschisten. Die die Broschüre kann unter ooe@kpoe.at oder 0732/652156 bestellt werden. Die Zusendung ist kostenlos, um eine Spende wird gebeten.

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David I. Kertzer - Der erste Stellvertreter - Papst Pius XI. und der geheime Pakt mit dem Faschismus, Theiss Verlag Sept. 2016, 608 Seiten, 41 s/w Abb, in Österreich 39,10 Euro

Zwei Päpste standen dem Faschismus gegenüber: Der eine Papst, Pius XII., schwieg öffentlich zum Holocaust. Sein Vorgänger, Pius XI., wurde im Nachhinein von der katholischen Kirche quasi als eine Art Antifaschist dargestellt, der auf der Seite der verfolgten Juden gestanden wäre und Hitler durch die Enzyklika "Mit brennender Sorge" in die Schranken verwiesen hätte. In dieser Enzyklika war es jedoch nur um die Machtfrage gegangen, wer ist der Führer, die Kirche oder Hitler.

Nun liegen die Fakten deutlicher vor. Denn die Grundlage für das Buch war die Öffnung der vatikanischen Archive im Jahr 2006 über die Zeit von Pius XI. (1922 bis 1939), Kertzer arbeitete für die Erstellung des Buches über sieben Jahre im Vatikan und in anderen Archiven.
In der packenden Geschichte über die Geheimbeziehungen des Vatikan zur faschistischen Führung wird deutlich, dass sich Mussolini und Pius XI. zwar hassten, sich aus Gründen des Machterhalts aber stützten. Der ungebildete, ungläubige Duce und der gottesfürchtige Kleriker schlossen einen verhängnisvollen Pakt. Erst mit Einführung der Rassengesetze 1938 und der immer größer werdenden Nähe zu Nazi-Deutschland dämmerte es Pius XI., mit wem er da paktiert hatte. Als er starb, konnte sein Nachfolger Eugenio Pacelli diesen Pakt fortsetzen. David Kertzers bahnbrechende Arbeit, die mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, enthüllt das ganze Ausmaß der faschistischen Verstrickung.

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Ludwig Laher - Überführungsstücke - Roman, Wallstein Verlag 2016. 178 Seiten, gebunden, Euro 20,50
Endlich kann Oskar Brunngraber, seit 25 Jahren Justizverwaltungsinspektor in einer Asservatenkammer, jemandem erzählen von den geheimnisvollen Beweisstücken, die in seinem Refugium lagern: von den Waffen und Drogen und Mordwerkzeugen und den kriminellen Hintergründen, die sich hinter ihnen verbergen und die auch Brunngraber meist nur ansatzweise kennt. Aber wenn seine Phantasie ihn dazu treibt, erfindet er ihnen wilde Geschichten, die es in sich haben. Und wie schwer es ihm manchmal fällt, diese Beweisstücke nach den gesprochenen Urteilen zu vernichten! - wenn man allein an den Marktwert draußen denkt, der BTM etwa, der Betäubungsmittel, die den größten Platz in der Kammer einnehmen und Gerüche verbreiten, die man aus den Kleidern nicht mehr herausbekommt. Die Überführungsstücke aus dem Hochsicherheitstrakt sind nicht nur dazu da, die Täter zu überführen, sondern auch Anlässe, die Welt zu deuten. Brunngraber sprudelt fast über vor Erfindungsreichtum und Sprachlust; ganz und gar nicht ist sein Leben reduziert auf das, was er in seinem Beruf täglich zu leisten hat, in den er ohnehin eher zufällig hineingerutscht ist...

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Macht ohne Kontrolle - Die Troika, Doku-Film von Harald Schumann, Arpad Bondy und Axel Schneppat, 90 min, Edition Salzgeber 2015, ab Euro 9,80
Die Armen werden ärmer und die Reichen reicher. Ist das Europas Politik? Leidenschaftlich fordert Wirtschaftsjournalist und Bestseller-Autor Harald Schumann mehr Transparenz und Verantwortung für ein soziales Europa. Die Technokraten der drei Institutionen IWF, EZB und Europäische Kommission - der Troika - agieren ohne parlamentarische Kontrolle. Sie zwingen Staaten zu Sparmaßnahmen, die das soziale Gefüge gefährden. Harald Schumann reist nach Irland, Griechenland, Portugal, Zypern, Brüssel und in die USA, und befragt Minister, Ökonomen, Anwälte, Bänker, Betroffene. „Wer Geld hat, lebt, wer kein Geld hat, stirbt“, sagt der Arzt Georgios Vichas. Genauso absurd wie die Gesundheitspolitik ist die Mindestlohnpolitik, die die Troika den verschuldeten Ländern abverlangt. Dass Sparen so nicht funktionieren kann, erklärt der Nobelpreisträger Paul Krugman. Nach dem mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichneten Film „Staatsgeheimnis Bankenrettung“ fragen Árpád Bondy und Harald Schumann nun: Was passiert mit Europa im Namen der Troika?

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Heimat, welcher Söhne bist du? -
Dr. Ernst Kaltenbrunner - Vom deutschnationalen Burschenschafter zum Organisator des NS-Massenmords
Ein visuelles Hörbuch von Rudolf Schober - Filmlänge: 99 Minuten - Herausgeber: Solidarwerkstatt Österreich, erschienen: 2016 im guernica Verlag, Linz
Zu bestellen unter: 0732/771094, office@solidarwerkstatt.at
ISBN 978-3-9503578-4-4 - EUR 12,90
In diesem visuellen Hörbuch werden die Lebensstationen des in Oberösterreich geborenen Dr. Ernst Kaltenbrunner nachgezeichnet - von der deutschnationalen Burschenschaft Arminia, über den frühen Beitritt zur illegalen NSDAP und SS bis hin zum Chef des NS-Reichssicherheitshauptamts in Berlin, wo er maßgeblich an der Organisation des nationalsozialistischen Massenmords beteiligt war.

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Er ist wieder da - Regie: David Wnendt, Drehbuch Mizzi Meyer, David Wnendt, mit Oliver Masucci, Fabian Busch, Christoph Maria Herbst, Katja Riemann, Franziska Wulf u.v.a., Verfilmung des Romanes von Timur Vermes, Constantin Film 2015, 116 min, DVD Mythos Film 2016, Preise zwischen 12,99 und 19.99 Euro

Er ist wieder da, der Führer. Knapp 70 Jahre nach seinem unrühmlichen Abgang erwacht Adolf Hitler im Berlin der Gegenwart. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Im tiefsten Frieden, unter Angela Merkel und vielen tausend Ausländern startet er, was man am wenigsten von ihm erwartet hätte: eine Karriere im Fernsehen. Denn das Volk, dem er bei eine Reise durch das neue Deutschland begegnet, hält ihn für einen politisch nicht ganz korrekten Comedian und macht ihn zum gefeierten TV-Star. Und das, obwohl sich Adolf Hitler seit 1945 äußerlich und innerlich keinen Deut verändert hat.
Soweit die Selbstbeschreibung des Filmes. Leider kann dieser mit dem Buch von Vermes nicht mithalten, denn im Buch ist die Doppelbödigkeit dieser Satire einfach überwältigend gut gelungen, der Leser kommt in Lagen, wo er dem Hitler quasi recht geben könnte, der Film schafft das nicht, der Hitlerdarsteller Masucci ist auch nicht wirklich überzeugend und das Publikum bekommt einen Schluss vorgesetzt, der die hinterhältig gedrechselten Pointen des Buches auf einfachere Weise ersetzen soll. Es liegt hier wieder einmal der Fall vor, das Buch ist besser als der Film, siehe unten den Buchtipp!

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Hitler, Mein Kampf - Eine kritische Edition - Hrsg. v. Christian Hartmann, Thomas Vordermayer, Othmar Plöckinger u.a. - Institut für Zeitgeschichte München - Berlin, 1948 Seiten, Euro 60,70

Mehr als zwölf Millionen Mal wurde Adolf Hitlers Propagandaschrift "Mein Kampf" bis 1945 gedruckt und unters Volk gebracht. Seither war jegliche Neuauflage untersagt. Erstmals, 70 Jahre nach dem Tod Hitlers, veröffentlicht das Institut für Zeitgeschichte eine wissenschaftlich kommentierte Gesamtausgabe dieses berüchtigten Buches. "Mein Kampf" ist Hitlers wichtigste politische Schrift. Sie ist gleichermaßen stilisierte Autobiografie, ideologisches Programm, Parteigeschichte, Hetzschrift und Anleitung zur Erringung der Macht, weit über Deutschland hinaus. Nirgendwo sonst hat Hitler das, was er glaubte und wollte, so offen und detailliert erläutert wie hier. "Mein Kampf" ist damit eine der zentralen Quellen des Nationalsozialismus.
Die kritische Edition des Instituts für Zeitgeschichte bereitet diese Quelle umfassend auf: Sie ordnet die historischen Fakten ein, erklärt den Entstehungskontext, legt Hitlers gedankliche Vorläufer offen und kontrastiert seine Ideen und Behauptungen mit den Ergebnissen der modernen Forschung. Nicht zuletzt zeigt die Edition auf, wie Hitlers Ideologie nach 1933 die verbrecherische Politik des NS-Regimes prägte. "Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition" setzt auf historisch-politische Aufklärung und wendet sich in Form und Stil deshalb bewusst an einen breiten Leserkreis.

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Online-Rundgang durch das Jüdisches Museum Wien

Ein etwas anderer Medientipp, kein Buch, kein Film, sondern ein Link! Mit dem "Google Cultural Institute" können die Ausstellungen und die Sammlung des Jüdischen Museums Wien nun virtuell besichtigt werden. "Jüdisches Wien bis heute" virtuell

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Brigitte Halbmayr - Herbert Steiner - Auf vielen Wegen, über Grenzen hinweg - Eine politische Biografie, 335 Seiten, 2015, Bibliothek der Provinz, edition seidengasse, mit Abb., Hardcover, 25,00 Euro

Österreich hat sich Jahrzehnte lang um eine Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus gedrückt. Einer der wenigen, die früh schon tatkräftig gegen das Vergessen gearbeitet haben, war Herbert Steiner (1923 - 2001). Mit der Gründung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes bereits in den 1960er Jahren hat er dafür eine langfristig wirkungsvolle Institution geschaffen. Dabei ging es ihm nicht nur um die Geschichte des Widerstands, sondern auch um die Dokumentation der verschiedenen Opfergruppen sowie des Ausmaßes nationalsozialistischer Verfolgung.
Bereits während seiner Zeit im englischen Exil (ab Ende 1938) entfaltete Steiner als Sekretär der Jugendorganisation "Young Austria" eine intensive politische und kulturelle Tätigkeit, die er nach dem Krieg weiter ausbaute. So reichte seine Förderung des Jura Soyfer-Gedenkens bis in die London-Jahre zurück, ebenso wie seine intensive Netzwerkarbeit viele internationale Kontakte ermöglichte. Vor dem Hintergrund seiner kommunistischen Überzeugung, die allerdings im Laufe seines Lebens immer brüchiger wurde, engagierte sich Herbert Steiner im wissenschaftlichen Austausch zwischen West- und Osteuropa. In Erinnerung bleiben zudem seine Leistungen in der Erforschung der österreichischen Arbeiterbewegung und der Revolution von 1848.
Die vorliegende politische Biografie zeichnet diesen denkwürdigen Lebensweg nach. Sie macht deutlich, wie es über parteipolitische Grenzen hinweg gelingen kann, Verbündete im antifaschistischen Engagement zu gewinnen und breite Allianzen im Einsatz für Demokratie und Aufklärung zu bilden.

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Die KPÖ hat unter dem Titel "Ihre Handlungen sichtbar machen …" eine hochinteressante Dokumentation über kommunistischen Frauenwiderstand in Oberösterreich in zweiter Auflage herausgegeben. Die 48-seitige Broschüre kann unter ooe@kpoe.at oder 0732/652156 kostenlos bestellt werden. Um eine Spende wird ersucht.

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Heinz Fischer -
Einer im Vordergrund: Taras Borodajkewycz, Ephelant-Verlag, Neuauflage 2015, 320 Seiten, Euro 22,-
1962 prangert Heinz Fischer, der gegenwärtige Bundespräsident, in einem Artikel in der Zeitschrift „Die Zukunft“ an, dass sich Taras Borodajkewycz, Professor an der Hochschule für Welthandel, in seinen Vorlesungen antidemokratisch und antisemitisch äußere. Grundlage dafür waren Mitschriften des Studenten und nachmaligen Finanzministers Ferdinand Lacina.
Borodajkewycz geht zu Gericht. Den ersten Prozess verliert Heinz Fischer, den zweiten gewinnt er. Im Zuge dieser Auseinandersetzung kam es zu der wahrscheinlich größten antifaschistischen Kundgebung in Österreich. Ernst Kirchweger, der gegen Borodajkewycz demonstrierte, wurde vor dem Hotel Sacher in Wien von dem rechtsextremen Günther Kümel brutal niedergeschlagen und starb an den Kopfverletzungen, die er dabei erlitt.
Heinz Fischer verfasste ein Buch, in dessen Mittelpunkt diese Dokumente stehen: Schriften von Borodajkewycz, die Vorlesungsmitschrift, der inkriminierte Artikel, die Prozessunterlagen, Anfragen und Stellungnahmen im Parlament, Kommentare in der Presse. Nachdem das Buch lange vergriffen war, steht es nun faksimiliert wieder zur Verfügung, bereichert mit dem letztgültigen Erkenntnis der ministeriellen Disziplinaroberkommission für Hochschullehrer, in dem u. a. begründet wird, warum die Lehrpraxis von Borodajkewycz als Dienstvergehen zu werten ist.

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Klaus Pumberger - Worüber wir nicht geredet haben - Arisierung, Verdrängung, Widerstand. Ein Haus und die Geschichte zweier Familien - Studienverlag 2015, 376 Seiten, 24,90 Euro.
Die Arisierung von Eigentum war im Deutschen Reich ab 1933 ein zentraler Bestandteil der Entrechtung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Im Mittelpunkt dieses Buches stehen das arisierte Haus des Widerstandskämpfers Ludwig Beer sowie die beiden Familien – die Besitzerfamilie Beer und die Pächterfamilie Eppacher – mit ihren jeweiligen Geschichten.
Im Zuge der Option in Südtirol gelangt die Familie Eppacher aus einem Gebirgsdorf im Pustertal nach Wesenufer an der Donau. Dort wird sie Pächter des Hauses von Ludwig Beer, das von den Nazis im März 1940 beschlagnahmt wurde. Die Zusammenhänge zwischen Südtiroler Umsiedlung und Arisierung werden ausführlich beleuchtet. Zugleich wird das politische Leben von Ludwig Beer nachgezeichnet: illegale Aktivitäten im Austrofaschismus, Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg und in der französischen Résistance, Widerstand gegen die NS-Herrschaft in Wien sowie seine Hinrichtung am 20. September 1944 im KZ Dachau. Das Buch leistet einen wichtigen Beitrag zur geschichtlichen Aufarbeitung und bietet erschütternde Einblicke in die Rechtspraxis der NS-Justiz.

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Die Wahrheit über den Holocaust - ZDF-Doku, acht Teile, 344 Minuten, Preis um die 20 bis 30 Euro je nach Anbieter.
7. Januar 1945: Die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz – Inbegriff für die Ermordung der europäischen Juden. 70 Jahre später wollen viele Menschen aus Deutschland, Frankreich und Israel nichts mehr davon hören. Ein Großteil der jungen Leute weiß nicht mehr Bescheid über die historischen Hintergründe. Dies ist die Herausforderung, eine neue globale Geschichte zu erzählen, mit internationalen Perspektiven.

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Anlässlich siebzig Jahre des Endes des Zweiten Weltkrieges und des Untergangs des NS-Systems hier zwei DVD-Tipps über die letzten Tage im Berliner Führerbunker:
Der letzte Akt - Die letzten 10 Tage vor dem Untergang - DVD, Filmjuwelen 2014, 107 Minuten, Preis ab etwa 12 Euro
Im April 1945 befindet sich Adolf Hitler im Führerbunker, von wo aus er seine Generäle weiterhin zum Endsieg antreibt. Hauptmann Richard Wüst wird von seinem Vorgesetzten zu Hitler geschickt, um diesen über die Lage an der Front aufzuklären. Wüst versucht mehrere Tage lang vergeblich, vorgelassen zu werden, und entwickelt während dieser Zeit eine zunehmend kritischere Haltung gegenüber den Zuständen. Als er schließlich mit Hitler sprechen kann, muss er seine offenen Worte mit dem Leben bezahlen.
Der Film des Regisseurs Georg Wilhelm Pabst versucht das damalige Zeitgeschehen mit einer fiktiven Nebenhandlung (Hauptmann Wüst) zu verknüpfen, was nicht unbedingt immer als passend angesehen werden muss. Der Film entstand 1955, es wirkten u.a. mit: Albin Skoda als Hitler, Lotte Tobisch als Eva Braun, Willy Krause als Goebbels und Oskar Werner als Hauptmann Wüst.

Der Untergang -die letzten 12 Tage des Deutschen Reiches - DVD, Constantin Film 2004, 150 Minuten, gibt es in mehreren Ausstattungen (z.B. mit einer 2. DVD) zu Preisen zwischen 6 und 15 Euro
Angeführt vom Schweizer Bruno Ganz, dem unbestritten größten deutschsprachigen Bühnenschauspieler, trägt ein bis in die kleinsten Nebenrollen hochkarätig besetztes Ensemble (u.a. Heino Ferch, Corinna Harfouch, Juliane Köhler, Ulrich Matthes, Alexandra Maria Lara) mit brillant nuancierten Vorstellungen seinen entscheidenden Teil dazu bei, dass dieser filmische Drahtseilakt nie ins Plakative verfällt und dennoch beinahe jede Minute aufs Neue erschüttert. Als eines der ambitioniertesten Projekte der deutschen Filmgeschichte erweist sich Der Untergang als Meisterwerk epochaler Größe, das berechtigterweise mit einer Oscar-Nominierung als bester ausländischer Film geehrt wurde. (So beurteilte Frank-Michael Helmke den Film).
Regisseur Oliver Hirschbiegel konnte als Inhaltsvorlage die Erinnerungen von Hitlers Sekretärin Traudl Junge (1920-2002) verwenden, die 1947 verfasst und kurz vor ihrem Tod in Zusammenarbeit mit
Melissa Müller unter dem Titel Bis zur letzten Stunde – Hitlers Sekretärin erzählt ihr Leben veröffentlicht worden waren. Der Film wirkt dadurch bezüglich des konkreten Geschehensablaufes und der Stimmungen sehr realistisch und authentisch.

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Franz Werfel - Die vierzig Tage des Musa Dagh - FISCHER Taschenbuch-Verlag, 20. Auflage, 992 Seiten, Euro 15,40
Dieses Buch erschien 1933 im Jahre der Machtergreifung Hitlers und es behandelt den ersten Völkermord im 20. Jahrhundert: den vor nunmehr 100 Jahren geschehenen türkischen Mord an den Armeniern. Werfel und sein Buch werden heute von den Armeniern immer noch sehr hoch geschätzt.
m Sommer 1929 wurde Franz Werfel (1890-1945) bei einem Aufenthalt in Damaskus mit den Schicksalen armenischer Flüchtlingskinder konfrontiert. Unter dem unmittelbaren Eindruck des Elends beschloß er, einen Roman über jene Armenier zu schreiben, die im osmanischen Reich friedlich an der syrischen Küste gelebt hatten und dort im Sommer 1915 von den Jungtürken grausam verfolgt wurden. Etwa 5000 zum Widerstand entschlossene Männer und Frauen zogen sich damals auf den Musa Dagh, den Mosesberg, zurück, um sich gegen die Übermacht der Türken zu verteidigen. Werfel unternahm intensive historische Forschungen, um seinem 1933 erschienenen Roman einen bis in die Einzelheiten authentischen Hintergrund geben zu können. Im Mittelpunkt seiner Schilderung steht die fiktive Person des Gabriel Bagradian, der zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn Stephan zufällig aus Paris in der Heimat weilt und zur Seele des Widerstandes gegen die Türken wird. Ihm zur Seite steht der Priester Ter Haigasun als der geistige Führer der Gruppe. Im Lauf der Belagerungskämpfe fällt Bagradians einziger Sohn. Als die Türken am 40. Tag der Belagerung zum Generalangriff ansetzen, erscheint ein englisch-französisches Geschwader, dem es gelingt, die überlebenden Verteidiger aufzunehmen und wegzuführen. Nur Bagradian bleibt zurück, am Grabe des Sohnes trifft ihn eine türkische Kugel. Der Roman ist eine erschütternde Anklage gegen den Völkermord. Für die Juden in Deutschland wurde er gerade in den Verfolgungsjahren nach 1933 zu einer Art Schicksalsbuch.

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Rafael Kropiunigg - Eine österreichische Affäre: Der Fall Borodajkewycz - Czernin Verlag 2015, Broschüre 120 Seiten, Euro 17,90
Rafael Kropiunigg, 1988 in Wien geboren. Studium der Geschichte in London und Los Angeles. Interviewte für seine Forschungsarbeit an der Universität Oxford Historiker, Zeitzeugen und Akteure zur Causa Borodajkewycz.
Die aus Opportunismus gegenüber den nazistischen Bevölkerungsteilen unterbliebene Bewältigung der NS-Vergangenheit hielt in diesen Kreisen die NS-Gesinnung weiter aufrecht. Am 31. März 1965 wurde bei der gewaltsamsten Demonstration der Nachkriegszeit der Widerstandskämpfer Ernst Kirchweger tödlich verletzt. Der Hochschulprofessor Taras Borodajkewycz war durch seine nazistischen Äußerungen in die öffentliche Kritik geraten, burschenschaftlerische Gesinnungsfreunde unter den Studenten verteidigten ihn vehement: mit Todesfolge für einen Antifaschisten.

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Die KPÖ OÖ bietet einige Schriften zur Zeitgeschichte an:
Anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung vom Faschismus hat die KPÖ eine Dokumentation über Sepp Plieseis (1913-1966), führend in der Widerstandsbewegung im Salzkammergut, herausgegeben. Die 60-seitige Broschüre kann unter ooe@kpoe.at bestellt werden. Nähere Infos dazu im Internet.
In aktualisierter und erweiterter Form hat die KPÖ-Oberösterreich auch die Dokumentation über Sepp Teufl (1904-1945) herausgegeben. Die 28-seitige Broschüre kann über ooe@kpoe.at bestellt werden
Wieder erhältlich ist die Dokumentation der KPÖ über Resi Pesendorfer (1902-1989). Die Broschüre kann über ooe@kpoe.at bestellt werden. Infos im Internet.
Ebenfalls erhältlich ist die Dokumentation über den Februar 1934. Bestellungen unter ooe@kpoe.at. Infos im Internet.

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Aus den bekannten musikalischen Stadtrundgängen von Herwig Strobl durch das jüdische und braune Linz hat Harrynero jetzt einen Film gemacht: "Shalom Linz" (38 Minuten) kann als DVD unter herwigstrobl@gmx.at oder unter 0664/ 4134038 bestellt werden und kostet 15 Euro (inklusive Versand).

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Hamed Abdel-Samad - Der islamische Faschismus: Eine Analyse -Droemer Verlag 2014, 224 Seiten, Euro 18,50
Der Islamismus entstand parallel zum italienischen Faschismus und zum Nationalsozialismus. Sein faschistoides Gedankengut allerdings reicht viel weiter zurück - es ist bereits im Ur-Islam angelegt. Hamed Abdel-Samad schlägt in seiner Analyse einen Bogen von den Ursprüngen des Islam bis hin zur Gegenwart. Die Grundzüge des Faschismus scheinen überall durch; in der Organisationsstruktur ebenso wie in der Religion, die stets über dem Menschen steht.
Ein wichtiges Buch, dessen Thesen Hamed Abdel-Samad eine Todes-Fatwa einbrachten. Allein das entlarvt den Islamismus.

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Arzu Toker: Kein Schritt zurück - Alibri Verlag 2014, 157 Seiten, Euro 12,35
Was bedeutet Ehre im Islam? Um wessen Ehre geht es? Arzu Toker setzt sich literarisch mit dem Verständnis von Ehre auseinander.
Das ursprünglich für den Hörfunk verfasste Feature Die Balkonmädchen beschreibt den Konflikt zwischen dem Drängen junger Migrantinnen in Deutschland, frei zu leben, und den traditionellen Anforderungen ihrer Herkunftsfamilien.
In dem Prosatext Verschenkte Freiheit klagt eine Mutter voller Wut und Schmerz über den Verlust ihrer Tochter an eine islamische Sekte.
Das Nachwort ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Freiheit. Die Freiheit von religiösen Zumutungen. Die Freiheit von nationalen Fesseln. Ein Plädoyer für eine Utopie der Entwicklung gemeinsamer grenzüberschreitender Werte.

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Christian Angerer/Maria Ecker: Nationalsozialismus in Oberösterreich. Opfer. Täter. Gegner (Nationalsozialismus in den österreichischen Bundesländern, Band 6), Studienverlag 2014, 422 Seiten, 24,90 Euro
Wie kommt es zum Aufstieg des Nationalsozialismus? Was begeistert die Menschen am Nationalsozialismus? Wie erleben die jungen Menschen HJ und BDM? Welche Plänr verfolgt Adolf Hitler mit Linz? Wie entsteht in Oberdonau eine Großindustrie? Wer sind die Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen? Was ist NS-Euthanasie? Wie werden Menschen im KZ Mauthausen ermordet? Wie werden Roma und Sinti im Nationalsozialismus verfolgt? Wie ergeht es den oberösterreichischen Juden und Jüdinnen im Holocaust? Wer leistet in Oberösterreich Widerstand? Wie entwickelt sich die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit bis heute?
Ausgehend von solchen grundlegenden Fragen erzählt das Buch die Geschichte des Nationalsozialismus in Oberösterreich für ein breites Publikum, speziell auch für junge Leser und Leserinnen - wissenschaftlich fundiert, aber in gut lesbarer Sprache. Über 40 Kurzbiografien ergänzen die Kapitel: Sie zeigen Menschen, die verfolgt wurden, die sich schuldig machten, die Widerstand leisteten oder zwischen Zustimmung, Wegschauen und Ablehnung schwankten. Rund 280 Abbildungen und Fotografien vermitteln ein Bild der Zeit. Ein Sach- und Personenlexikon bietet Hintergrundinformationen.

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Die KPÖ Oberösterreich hat ihre Broschüre für den im KZ Mauthausen ermordeten Widerstandskämpfer Sepp Teufl (1904 - 1945, KPÖ Landesobmann 1933 - 1945) neu herausgegeben. Sie enthält wichtige zeitgeschichtliche Informationen, u.a. über die "Welser Gruppe", der Teufl angehörte.

Die Broschüre kann bei der KPÖ Oberösterreich (unter 0732/652156 oder unter ooe@kpoe.at) gegen eine freiwillige Spende bestellt werden.

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Max R. Garcia - Und wenn ich Auschwitz überlebe ... Mein Weg vom Tod zum Leben. ISBN 978-3-902605-21-4, Edition Mauthausen 2014, 234 Seiten, Preis: Euro 16.90
"Zum ersten Mal seit Jahren betrachtete ich mich selbst in einem Standspiegel. Schon seit langem an den ausgemergelten Anblick meiner Mithäftlinge gewöhnt, war ich doch überrascht, mich selbst nur noch als Haut und Knochen zu sehen, eine wandelnde Anatomiestudie. Meine Wangen waren eingefallen. Meine Augen hatten sich in den Schädel zurückgezogen. Mein Schädel war grob rasiert, bis auf einen Streifen in der MItte. Ich wog vermutlich knapp 40 Kilogramm, ein erwachsener Mann, 1,70 Meter groß, fast 21 Jahre alt." So beginnt die Schilderung von Max. R. Garcia über seine Befreiung aus dem KZ Ebensee am 6. Mai 1945.
Der Autor, der im Juni 1924 in Amsterdam geboren wurde, erzählt in diesem Buch seine beeindruckende Lebensgeschichte, die in einer holländisch-jüdischen Familie ihren Anfang nahm. Nach der Besetzung der Niederlande durch die Nationalsozialisten wurde Max Garcia verhaftet und in verschiedene Konzentrationslager deportiert. Er überlebte den Schrecken des Holocaust und wanderte nach dem Krieg in die USA aus, wurde dort Architekt und gründete eine Familie. "Ich habe Vieles vergeben und dadurch sehr viel bekommen. Natürlich habe ich nichts vergessen."

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Emmerich Talos - Das austrofaschistische Herrschaftssystem. Österreich 1933 - 1938, LIT Verlag 2013, 632 Seiten, 34,90 Euro
In den 1930er Jahren vollzogen sich in Österreich, wie in anderen europäischen Ländern, einschneidende politische Veränderungen. Sie kummulierten in der Etablierung des Austrofaschismus. Dieses Herrschaftssystem wird von Emmerich Talos, einem ausgewiesenen Kenner, erstmals einer umfassenden Untersuchung unterzogen. Analysiert werden: Konstituierungsprozess, ideologisches Selbstverständnis, die politischen Strukturen, zentrale Akteure, die Um- und Neugestaltung der wesentlichen Politikfelder, die politische Stimmungslage, die folgenreichen Beziehungen zu Italien und Deutschland. Der Austrofaschismus weist insbesondere Ähnlichkeit mit dem italienischen Faschismus auf. Eine angemessene Interpretation des "Anschlusses" (im März '38) kann nur vor dem Hintergrund des Austrofaschismus erfolgen.

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Im Kältefieber - Februargeschichten 1934: Erich Hackl, Evelyne Polt-Heinzl (Hg.), 330 Seiten, Picus Verlag, 22,90 Euro
2014 jährte sich der österreichische Bürgerkrieg zum achtzigsten Mal. Der Aufstand der Arbeiterschaft und des Republikanischen Schutzbunds gegen das austrofaschistische Regime am 12. Februar 1934 wurde von den Heimwehrverbänden und dem Militär brutal niedergeschlagen. Der kaltblütige Beschuss der Arbeiterwohnhäuser stellt eine entscheidende politische Zäsur auf dem Weg zum März 1938 dar. "Im Kältefieber" ist die bislang umfangreichste Anthologie zu den Februarkämpfen, mit vielen literarischen Entdeckungen österreichischer ebenso wie ausländischer Autorinnen und Autoren und Texten, die hier erstmals auf Deutsch publiziert werden. Im Mittelpunkt stehen dabei die Kämpfenden, Arbeiter und deren Frauen und Familien, die sich nicht nur in Wien, sondern auch in anderen Städten und abseits der Zentren Österreichs der Zerschlagung der Demokratie entgegenstellten. Die Texte gehen über das unmittelbare Kampfgeschehen hinaus und beleuchten ebenso dessen Vorgeschichte wie dessen Konsequenzen.
Mit Beiträgen von: Jean Amery, Erich Barlud, Ulrich Becher, Willi Bredel, Melitta Breznik, Veza Canetti, Tibor Dery, Ilja Ehrenburg, Reinhard Federmann, Walter Fischer, Martha Florian, Oskar-Maria Graf, John Gunther, Michael Guttenbrunner, Erich Hackl, Alfred Hirschenberger, Franz Höllering, Franz Kain, Kurt Kläber, Rudolf Jeremias Kreutz, Miroslav Krleza, Franz Leschanz, Naomi Mitchison, Robert Neumann, Margarete Petrides, Margarete Rainer, Otto Roland, Anna Seghers, Jura Soyfer, Franz Taucher, Josef Toch, Alois Vogel, Prezihov Voranc, Karl Wiesinger.

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Ludwig Laher - Bitter - Wallstein Verlag, 237 Seiten, Euro 19,90
Laher stellt in "Bitter" das Privatleben wie das '₩entliche Wirken' eines mit Befehlsgewalt ausgestatteten, international t←gen ￴erreichischen Kriegsverbrechers, u.a. Gestapo-Chef in Wiener Neustadt, Charkow und Verona, in den Mittelpunkt seines Erz↓ens. Weit ¥r das individuelle Portrᅠeines ﵟerst ehrgeizigen und skrupellosen, charmanten und hochintelligenten T¥rs hinaus, das, rechnet man sein vielf←ges Nachwirken ein, einen Gro￴eil des 20. Jahrhunderts umspannt, zeichnet das Buch die strukturellen Bedingtheiten nach, die erst m↓ich machten, was erz↓t wird, und wartet dabei mit vielen unglaublichen Details auf, die sowohl verst¥n als auch Aha-Erlebnisse erm↓ichen, auf jeden Fall eine spannende und oft ¥rraschende Lekt¥ garantieren. Zuweilen geht der meist distanzierte Erz↓er bis an die Schmerzgrenze, indem er sich der zynischen, ellenbogenbewehrten, utilitaristischen Sprache nationalsozialistischer Denkmuster bedient. Sp¥r gibt er sich dann doch deutlicher zu erkennen und tritt am Schluss gar selbst auf im Text, noch bevor er den ersten Satz des Buches niederschreibt.

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"Die Vollstreckung verlief ohne Besonderheiten." - Hinrichtungen in Wien, 1938 bis 1945, Hrsg. von Brigitte Bailer, Wolfgang Maderthaner und Kurt Scholz - Mandelbaum Verlag o. J. (2013), 99 Seiten - kostenloser Download beim Dokumentationsarchiv - Achtung sehr große Datei, Euro 17 MB!

Die am 18. September 2013 im Bundeskanzleramt präsentierte Publikation ist den rund 9500 Österreichern und Österreicherinnen gewidmet, die im Nationalsozialismus hingerichtet wurden oder auf andere Weise im Zuge politischer Verfolgung ihr Leben verloren. Sie zollt Respekt auch jenen Zehntausenden, die von der Gestapo verhaftet, misshandelt, vor Gericht gestellt oder in Konzentrationslager gebracht wurden und oft nur dank zufälliger Umstände oder Hilfe von Mitgefangenen überleben konnten. Die Publikation enthält einen historischen Überblick, Texte von ZeitzeugInnen und ausgewählte Biografien mit vielen Fotos und Dokumenten.

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Timur Vermes - Er ist wieder da: Der Roman - 400 Seiten - Eichborn Verlag 2012 (21. Auflage 2014), Euro 19,35 - Taschenbuchausgabe 2014, Euro 10,30
Sommer 2011. Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Im tiefsten Frieden, unter Tausenden von Ausländern und Angela Merkel. 66 Jahre nach seinem vermeintlichen Ende strandet der Gröfaz in der Gegenwart und startet gegen jegliche Wahrscheinlichkeit eine neue Karriere - im Fernsehen. Dieser Hitler ist keine Witzfigur und gerade deshalb erschreckend real. Und das Land, auf das er trifft, ist es auch: zynisch, hemmungslos erfolgsgeil und auch trotz Jahrzehnten deutscher Demokratie vollkommen chancenlos gegenüber dem Demagogen und der Sucht nach Quoten, Klicks und "Gefällt mir"-Buttons. Eine Persiflage? Eine Satire? Polit-Comedy? All das und mehr: Timur Vermes' Romandebüt ist ein literarisches Kabinettstück erster Güte. Denn Hitlers Kritik an der heutigen Gesellschaft führt dazu, dass man sich als Leser dabei ertappt, dem "Führer" recht zu geben, so hinterhältig doppelbödig hat der ungarisch-deutsche Journalist, Ghostwriter und Autor seinen ersten Roman angelegt. Man kann dabei auch seine Kenntnisse darüber vertiefen, wie einfach Populismus wirkt und muss vielleicht auch lernen, dass Populisten nicht immer Unrecht haben müssen, was die ganze Sache weiter verkompliziert. Ein eigener Spaß ist das Kapitel, in dem Hitler den NPD-Vorsitzenden aufsucht und ihn zur Sau macht. Mit ein paar Sätzen kann man das Buch nicht erklären, man muss es lesen!

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Birgit Kirchmayr - George Wozasek: Eine biografische Spurensuche - 155 Seiten, Wagner Verlag 2012, 21 Euro.
George Wozasek wurde 1925 in Wien geboren und verbrachte seine Kindheit in Amstetten. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1938 wurden er und sein Familie aus ihrer Heimat vertrieben. Nach prägenden Jugendjahren in den USA kehrte George Wozasek 1951 nach Österreich zurück und baute sich hier eine neu Existenz auf. Ab 1980 war DI George Wozasek Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Linz. Die vorliegende Biografie begibt sich auf Spurensuche und gewährt Einblick in eine wechselvolle Lebensgeschichte, die auch ein Stück österreichische Zeitgeschichte repräsentiert.

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